„High Five“
MONTAG, 7. SEPTEMBER 2026, 18 UHR
Lowell Liebermann
Kammerkonzert Nr. 3 op. 147 (Europäische Erstaufführung)
1. Prelude
2. Toccata
3. Gymnopédie - Sarabande 4. Interlude - Cadenza
5. Chorale Variations (1 - 5)
6. Gigue / Tarantella
7. Arietta - Ground
8. Postlude
Pause
George Oakley
Quintett „Shining“ (Uraufführung)
Temo Kharshiladze - Flöte
Dimitri Ashkenazy - Klarinette
Veriko Tchumburidze - Violine
Sandro Sidamonidze - Violoncello
Ketevan Sepashvili – Klavier
Die Manufaktur der Künste ist auch cool: „High Five“ um sechs in der Zacherfabrik. Das Basketball-Spiel der Kammermusik. Ein Wurf für zwei außergewöhnliche Komponisten. Es sind der Musiker:Innen Finger mehr als fünf, die sich erheben. Also hoch fünf.
In einem Interview mit Frances Wilson für “Meet the Artist“ charakterisiert Lowell Liebermann seinen Kompositionsstil: „Meine Musik ist, wie ich es gerne bezeichne, ‚organisch‘: Die verschiedenen Elemente wachsen aus einem kleinen musikalischen Keim heraus, sei es ein Motiv, eine Sammlung von Noten oder Intervallen, eine eigentliche Melodie oder etwas anderes. Meine Musik ist oft tonal (d. h. auf Dreiklängen basierend, aber nicht unbedingt im traditionellen funktionalen Sinne), aber manchmal ist sie auch atonal oder verwendet oktatonische oder synthetische Tonleitern oder Tonreihen oder andere Materialien. Ich verwende alles, was ich für die jeweilige musikalische Aussage für erforderlich halte. Und es gibt einen Punkt im Kompositionsprozess, an dem die Musik selbst bestimmt, was sie braucht, anstatt dass der Komponist seinen Willen durchsetzt. Meine Musik ist jedoch fast immer melodisch geprägt. Sie wurde manchmal als neoromantisch beschrieben, was mich ärgert, weil ich das für falsch oder zumindest irreführend halte. Meine ästhetischen Vorlieben lagen immer eher auf der klassischen als auf der romantischen Seite. Ich glaube, wenn viele Leute Begriffe wie ‚romantisch‘ oder ‚neoromantisch‘ und sogar ‚tonal‘ verwenden, um Musik zu beschreiben, meinen sie eigentlich ‚melodisch‘.“
Das Kammerkonzert Nr. 3, Op. 147, wurde von Freunden in liebevoller Erinnerung an Neil S. Hirsch für Bridgehampton Chamber Music in Auftrag gegeben. Es ist für ein Quintett aus Klavier, Flöte, Klarinette, Violine und Violoncello komponiert, das in klassischen Musikkreisen gemeinhin als „Pierrot-Ensemble“ bezeichnet wird, benannt nach Schönbergs Pierrot Lunaire. In diesem Werk spielen der Flötist, der Klarinettist und der Geiger zusätzlich Piccolo, Bassklarinette und Viola, was hier jedoch nicht der Fall ist.
Die Struktur und ein Teil des Materials des Kammerkonzerts sind lose von Aspekten der barocken Concerti Grossi von Komponisten wie Corelli und Geminiani sowie den Brandenburgischen Konzerten von Bach inspiriert. Die acht Sätze des Werks werden ohne Pause gespielt. Das eröffnende Präludium ist eine Art „Aufwärmübung”, die einige der wichtigen motivischen Elemente des Stücks vorstellt. Der folgende Satz hat seinen Namen von der barocken Toccata (bedeutet „berührt”), die normalerweise eine Demonstration der Fingerfertigkeit ist. Der Titel des dritten Satzes bezieht sich auf die Gymnopédies von Erik Satie und die barocke Sarabande: Beide Tänze sind im Dreiertakt und haben eine Begleitung, die oft auf dem zweiten Schlag des Takts innehält. Erst nachdem ich das gesamte Stück komponiert hatte, stieß ich auf das folgende Zitat aus einem Gedicht des spanischen Dichters J. P. Contamine de Latour, das Satie zu seinen Gymnopédies inspiriert haben soll:
„Schräg und schattenwerfend ein reißender Strom / Floss in goldenen Fluten über das polierte Flagstone / Wo die Atome des flammenden Bernsteins glänzten / Vermischten sich ihre Sarabande mit der Gymnopædia.“
Auf das kurze Zwischenspiel – Cadenza folgen fünf Choralvariationen, eine von Bach bevorzugte Form, bei der die Melodie des Chorals als Anker für jede Variation dient. Die Gigue – Tarantella verbindet auf unheimliche und albtraumhafte Weise den schnellen Barocktanz voller Sprünge und Hüpfer mit dem italienischen „Tarantellentanz“, die beide üblicherweise im zusammengesetzten Dreiertakt stehen. Der Titel des siebten Satzes, Arietta – Ground, spielt auf die Form von Didos Klage aus Purcells Oper Dido und Aeneas an, die bekanntlich einen „Ground Bass“ enthält, d. h. ein sich wiederholendes Ostinato, das als Basslinie dient. Das abschließende „Postlude“ greift Material aus der zuvor gehörten „Toccata“ wieder auf.
Auf die Frage, was George Oakley für die Manufaktur der Künste 2026 komponieren wird, war die spontane Reaktion: „Es wird was Cooles. Nicht alles ist ... in den USA.“ Die drei Punkte dürfen der Gedankenfreiheit der Lesenden überlassen bleiben.
Wie letztes Jahr mit „Little Prince“ nach Episoden aus „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupery stellt sich Oakley auch heuer einer erzählerischen Vorlage. Diesmal ist es der Horrorfilm „Shining“ des Regisseurs Stanley Kubrick aus dem Jahr 1980 nach Stephen Kings gleichnamigem Roman.
Zu Inhalt: Der Schriftsteller Jack Torrance (Jack Nicholson) erhält ein praktisches Job- Angebot: Als Hausmeister soll er während der für Gäste geschlossenen Winterzeit das Overlook Hotel in den Bergen von Colorado betreuen. Da er gerade an einem neuen Buch schreibt und die Abgeschiedenheit gelegen kommt, zieht er mit seiner Frau Wendy (Shelley Duvall) und dem gemeinsamen Sohn Danny (Danny Lloyd) in das riesige Gebäude.
Der Koch Hallorann (Scatman Crothers) erkennt sofort die besondere Fähigkeit von Danny, dieser verfügt nämlich über das Shining, eine hellseherische Fähigkeit. Und diese Fähigkeit zeigt Danny auch bald, dass schlimme Dinge im Overlook Hotel geschehen sind; Dinge, die seinen Vater bald in den Wahnsinn treiben und ihn und seine Mutter in tödliche Gefahr bringen.
George Oakley über sein neues Quintett: „Inspiriert von der atmosphärischen Spannung und der filmischen Sprache von Stanley Kubrick ist Shining eine zutiefst persönliche Auseinandersetzung mit der „nicht-materiellen Welt“ – einem Bereich spiritueller und metaphysischer Erfahrungen, den ich seit meiner Kindheit wahrnehme. Dieses Werk versteht sich als klangliche Brücke zwischen unserer greifbaren Realität und den unsichtbaren Dimensionen, die parallel zu ihr existieren.
Die Komposition entfaltet sich als ein durchgehender, zusammenhängender Satz, der in sechs klar unterscheidbare Abschnitte gegliedert ist. Trotz ihrer fließenden Struktur wird die musikalische Erzählung von vier wiederkehrenden melodischen Linien getragen, die sich durch das gesamte Werk ziehen. Diese Themen fungieren als Konstanten, die sich weiterentwickeln und in unterschiedlichen Klangtexturen miteinander interagieren – ein Spiegelbild der Beständigkeit von Erinnerung und spiritueller Wahrnehmung im Laufe der Zeit.
Harmonisch ist das Werk in einer auf D zentrierten Tonalität verankert, die den Ausgangspunkt dieser lebenslangen Reise symbolisiert. Diese tonale Grundlage bleibt bis zum letzten Abschnitt bestehen, in dem die Musik eine bedeutende Wandlung erfährt. Mit der Modulation von D nach G kulminiert das Werk in einem strahlenden G-Dur. Diese Veränderung trägt für mich eine tiefe philosophische Bedeutung: Sie steht für die Suche nach Gott, wobei der Ton G eine höhere Ebene des spirituellen Seins symbolisiert. Es ist ein bewusst gestaltetes Ankommen an einem Ort der Klarheit und Transzendenz.“
TEXT: URSULA MAGNES
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